Die Tür ist für alle immer offen

 Traunreuter Brücke erhält den Bürgerpreis in der Kategorie „Alltagshelden Gruppe“

 

Traunreut (mix). Die Traunreuter Brücke unterstützt seit fast zehn Jahren Menschen in sozialer Not und greift ihnen mit ganz praktischer Hilfe unter die Arme. Oft genug geht es dabei um Existenz bedrohende Probleme und schlimme Schicksale, bei denen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Brücke den Betroffenen helfen, so gut es geht. Für dieses Engagement erhielt die Traunreuter Brücke, vertreten durch Vera Scheffler, den Bürgerpreis in der Kategorie „Alltagshelden Gruppe“


Vera Scheffler von der Traunreuter Brücke präsentiert stolz den Bürgerpreis und das Modell einer Brücke, die die ganze Welt umspannt. Dieses Modell fertigte ein dankbarer Mann, dem die Brücke helfen konnte. Foto: mix

Seit März 2001 gibt es die Traunreuter Brücke, und Vera Scheffler ist von Anfang an dabei. Mit ihren fünf ebenfalls ehrenamtlichen Helfern bietet sie Mitmenschen in sozialer Not Hilfestellung an. Diese Hilfe kann auf viele Arten erfolgen. Manchmal benötigen die Menschen, die zur Brücke kommen, Unterstützung bei Angelegenheiten, die die Behörden betreffen. Viele wissen einfach nicht, wohin sie sich bei bestimmten Problemen wenden sollen, was sie wo beantragen müssen und vieles mehr. Oft geht es bei den Betroffenen aber auch ums pure Überleben, wenn es ihnen beispielsweise am Geld für so elementare Dinge wie Lebensmittel, Strom oder Heizung fehlt, wenn die Zwangsräumung droht oder andere Widrigkeiten.

„Meistens können sich die Menschen, die zu uns kommen und um Rat bitten, nicht selber helfen. Sie sind oft gar nicht mehr in der Lage, selber zu handeln und zu entscheiden“, weiß Vera Scheffler aus ihrer langjährigen Erfahrung. Mit Spenden, die sie erhält, kann sie so manche Not lindern, ob in Form von Lebensmitteln, die sie für die Betroffenen einkauft, oder in Form von gebrauchten Kleidern für die einzelnen Familienmitglieder. „Und manchmal gebe ich den Kindern, die besonders traurig sind, einfach einen Euro für ein Eis. Da freu ich mich dann, wenn ihre Kinderaugen strahlen.“

Die Kinder liegen der eifrigen Helferin besonders am Herzen; denn die können ja für die Situation der Eltern nichts. Während sie den Erwachsenen versucht, wieder auf die Beine zu helfen, damit diese Arbeit, eine Wohnung finden oder wieder einselbstbestimmtes Leben führen können, hat sie für deren Kinder oft ein paar Spielsachen oder kleine Geschenke parat. Immer im Advent organisiert Vera Scheffler eine Weihnachtsfeier für die Kinder der Familien, die übers Jahr bei ihr waren. Mit großzügigen Spenden vom Rotary-Club und vielen weiteren Spendern kann sie den Kindern dabei eine kleine Freude zu Weihnachten machen.

Jeden Mittwochnachmittag stehen Vera Scheffler und ihre Helfer von 13 bis 17 Uhr im katholischen Pfarrheim bereit, um sich die Sorgen und Nöte der Hilfesuchenden anzuhören. „Keiner geht von hier weg, ohne dass ich wenigstens kurz mit ihm gesprochen habe“, betont Vera Scheffler, die sich stets Zeit nimmt. Viele „Stammkunden“ kommen immer wieder zu ihr, weil sie aus ihren Problemen nicht so schnell herausfinden. Jede Woche sind aber auch wieder neue Betroffene da, mit deren Problemen sie sich auseinander setzt. Dabei muss jeder, der Hilfe von der Brücke will, seine Einkommensverhältnisse klar offen legen. „Mir ist eine ehrliche Atmosphäre ganz wichtig. Jeder macht mal Fehler und kann in Schwierigkeiten geraten. Aber man muss dazu stehen. Unsere Tür ist für sie alle immer offen“, sagt sie.

Die Verleihung des Bürgerpreises hat Vera Scheffler überrascht: „Ich konnte es zuerst gar nicht glauben. Mir muss man nicht danken für das, was ich da mache. Ich erwarte nichts dafür.“ Sie sieht es einfach als ihre Hausaufgabe an, den Leuten zu helfen, denen es nicht so gut geht. „Wir bauen diesen Menschen eine Brücke, eine Brücke zu den Behörden, zu jeglicher Art von Hilfe, zu einem neuen Leben ohne die alten Sorgen und Probleme“, fasst Vera Scheffler ihre Tätigkeit zusammen.